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Leipziger Volkszeitung,
27. März 1995
Text: Björn Marzahn
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Amor ohne Kids in der mb
Cocktail aus OstnRoll im Vorwärtsgang
Nie war die Lage so ernst. Epigonen im Rock-Punk-Acid-Cosmic-weiß-der-Teufel-Dschungel, wohin der Blick fällt. Alles gepumpt, kopiert. Es ist zum Haare raufen. Der musikalische Nachwuchs reüssiert mit Reprisen. Die Konfektion wird honoriert. Scharlatane machen sich breit, ein geöltes Getriebe der Avantgardisten. Provokantes ersetzt Gekonntes und Banalitäten kaschieren ihren Leerzustand mit Unverständlichkeiten. Musiker sind hin und weg, niedergeworfen unter dem Gewicht ihres Wollens, aller Hoffnung beraubt, bankrott, im Hintergrund Leihhaus und Nachtasyl. Die deutsche Jungmusiker-Kleinkellerszene ist eine Ruine und langweilig zum Erbarmen. Nie war die Lage so ernst.
Nun nach vier Jahren Pause Amor ohne Kids in der Moritzbastei. Reminiszenz-Musiker um den Texter und Sänger Frank Schüller aus Wendezeiten mit OstnRoll im Vorwärtsgang, mit ich-für-euch-Geschichten von schnittigen E 50 Trucks, von Unfall-Voyeuren, Krematoriums-Pyromanen und Blauer-Würger-Schnaps im Schlager-Achtel-Takt. Die Schiene ist nicht neu, aber ausbaufähig.
Ihre Geschichten sind das Filtrat einer Generation, die mit dem TV groß wird, durchdrungen von medialer Wirklichkeit. Sie kennen das Leben, sie haben Kabelanschluß. Und was sehen sie? Reedergattinnen in ewig weißen Villen, dauerfiese Society-Hexen, permanent-latente Mütter, künstliche Lederjacken-Beauties, Horden braungebrannter, schwerblonder Menschen mit Ferraris, Kokain in der Nase, Silikon in der Brust und außerehelichen Amouren in großen Häusern mit kleinen Bücherregalen.
Amor ohne Kids ist on the Block, ihre Musik eine Reprise, nichts neues, ein erquicklicher Rock-Cocktail. Die Texte aus alter und neuer Zeit aber hörenswertes Destillat eines Ist-Zustandes.
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